Die aktuelle Entwicklung der Öl und Gaspreise zeigt einmal mehr (auf eine leider tragische Weise), wie stark wirtschaftliche Systeme von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst werden. Besonders deutlich wird diese Abhängigkeit in der Landwirtschaft. Steigende Energiepreise wirken sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Betriebe aus und damit unmittelbar auch auf die Kosten von Lebensmitteln.
Drei Kostenbereiche sind dabei besonders betroffen: Treibstoff für landwirtschaftliche Maschinen, die Herstellung von Düngemitteln sowie in geringerem Umfang die Kosten für Pflanzenschutzmittel.
Für eine vereinfachte Rechnung wurde ein mittelgrosser Ackerbaubetrieb mit 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche betrachtet. Unter der Annahme der steigenden Energiepreise in den letzten 6 Monaten ergeben sich für einen solchen Betrieb folgende zusätzliche jährliche Kosten:
• Plus 5’000 € für Diesel
• Plus 5’500 € für Düngemittel
Diesel ist ein zentraler Produktionsfaktor der modernen Landwirtschaft. Feldarbeiten wie Bodenbearbeitung, Aussaat oder Ernte erfolgen überwiegend mit dieselbetriebenen Maschinen. Stark vereinfach liegt der Dieselverbrauch im Ackerbau liegt bei etwa 100 Litern pro Hektar und Jahr. Der Anstieg in den letzten 6 Monaten ist bei ca. 0.5 € / Liter (1).
Auch Düngemittel reagieren stark auf Energiepreise. Besonders Stickstoffdünger wie Harnstoff werden über energieintensive Verfahren hergestellt. Die Produktion basiert auf Ammoniak, das im Haber Bosch Verfahren unter Einsatz grosser Energiemengen hergestellt wird. Energie, vor allem Erdgas, kann dabei 60 bis 80 Prozent der Produktionskosten ausmachen (2). Der Preisanstieg für 1 Tonne Harnstoff betrug in 6 Monaten ca. 210 €. Es wird von 240 kg Stickstoff / ha ausgegangen, davon 50% als zugekaufte Düngemittel was 260kg Harnstoff entspricht (3).
Pestizidkosten sind ebenfalls teilweise von Energiepreisen abhängig, allerdings deutlich schwächer als Diesel oder Dünger. Gründe dafür sind petrochemische Rohstoffe, energieintensive Produktionsprozesse und Transportkosten.
Werden diese Kostensteigerungen auf die Produktionsmenge umgelegt, ergibt sich ein messbarer Effekt auf die Produktionskosten von Weizen. Bei einem durchschnittlichen Weizenertrag von etwa 7 Tonnen pro Hektar produziert ein Betrieb mit 100 Hektar ungefähr 700 Tonnen Weizen pro Jahr. Die zusätzlichen Kosten von insgesamt 10’500 € pro Jahr entsprechen damit etwa 15 € pro Tonne Weizen. Bei einem Marktpreis von rund 220 € pro Tonne entspricht dies einer Kostensteigerung von 7 Prozent in der Produktion.
Diese Entwicklung zeigt, wie eng Energiepreise und landwirtschaftliche Produktionskosten miteinander verbunden sind. Für landwirtschaftliche Betriebe wird es deshalb immer wichtiger, Betriebsmittel präzise zu dosieren und Produktionsprozesse effizient zu gestalten.
Viele unserer Kunden entwickeln Lösungen, die genau diese Abhängigkeiten adressieren. Autonome und elektrifizierte Landwirtschaftsroboter können den Einsatz von Diesel deutlich reduzieren. Gleichzeitig ermöglichen moderne Sensortechnologien und präzise Applikationssysteme eine erhebliche Reduktion von Düngemitteln und in einigen Anwendungen sogar den vollständigen Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel.
Technologische Innovation kann damit helfen, strukturelle Abhängigkeiten zu reduzieren.
Quellen:
(1) Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft: https://www.ktbl.de/
(2) Fertilizers Europe: https://www.fertilizerseurope.com
(3) KWS SAAT: https://www.kws.com/de/de/beratung/bestandesfuehrung/duengung/duengung-weizen/